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Chronik
75 Jahre Evangelische Akademie Bad Boll

Chronik

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1945 bis 1950 - Aufbruch zum Dialog: Begründung der Akademiearbeit

1946: Tage der Stille und Besinnung für Dichter und darstellende Künstler.

(Foto: Süddt. Photo-Dienst)
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Der Pfarrer Eberhard Müller (auf Foto stehend) gründet nach Ende des Zweiten Weltkrieges die Akademie Boll. Aus Gesprächen mit Professor Helmut Thielicke in Tübingen entwickelte sich die Idee mit dem Ziel, die Kirche „zu einer neuen Begegnung mit den ihr fernstehenden Menschen, ihrer Welt, ihren Nöten und ihren Fragen zu bringen“, schreibt Müller. „Diese ganze Anfangszeit war durchdrungen von der Überzeugung, dass eine Kirche, die den nationalsozialistischen Terror überlebt hat, eine besondere Verantwortung für die Gestaltung des sozialen und politischen Lebens in einem sich erneuernden Deutschland zukommt.“

(Foto: Süddt. Photo-Dienst)
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Pfarrer Eberhard Müller über die Aufgaben der Akademie

(Foto: Ökumenischer Presse-Dienst)

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Weshalb die Akademie in der kleinen Gemeinde Boll am Fuß der Schwäbischen Alb entsteht, schildert der damalige Direktor Eberhard Müller in Erinnerungen:

„Bad Boll ist einfach prädestiniert für so eine Aufbruchbewegung. Berta, die frühe Emanze, hatte ihre Stiftung hier, Kinderheim, Schwefelbad; Pfarrer Blumhardt bis heute Wala, Heilkraft, Weltunternehmen. Das sind Glücksfälle. Es gibt spirituelle Orte, dazu gehört Bad Boll im hohen Maße dazu.“

(Quelle: „Aktuelle Gespräche“ 3/85, S. 7; Foto: Georg Dangel Kunst- und Verlagsanstalt Stuttgart)
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Am 29. September 1945 findet die erste Tagung statt. Eingeladen sind unter dem Titel „Männer des Rechts und der Wirtschaft“ rund 150 Juristen und Industrielle.

Der Auftakt ist gemacht. Es folgen vor allem Tagungen für unterschiedliche Berufsgruppen wie Künstler, Lehrer, Abiturienten. Sie stehen im Zeichen des Dialogs und entsprechen dem Missions- und Aufbruchgefühl der Nachkriegszeit. Mit Erfolg, die Nachfrage ist riesig: 1946 muss mehr als 800 württembergischen Lehrern abgesagt werden – die Tagung ist bereits überlaufen.

Schon bald wird die Brücke zum Symbol für die Arbeit der Akademie Boll: Brücke sein zwischen Personen und Gruppen der Gesellschaft, um zu vermitteln und keinen Zwist mehr zu schüren.

(Fotos: Süddt. Photo-Dienst)
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Die Akademie in Bad Boll ist die erste ihrer Art. Nach und nach entstehen weitere Evangelische Akademien in Deutschland, die sich intensiv untereinander vernetzten. 1947 institutionalisiert sich der Erfahrungsaustausch der Akademieleiter im sogenannten Leiterkreis der Evangelischen Akademien in Deutschland.

Die Nachkriegsjahre sind Aufbruchjahre – geprägt von engagierten Persönlichkeiten. Sie tauchen immer wieder in unterschiedlichen Kreisen auftauchten, woraus schließlich etliche Neugründungen hervorgehen:

  • 1946 Gründung der „Studiengemeinschaft der Evangelischen Akademien“
  • 1948 Unternehmer gründen die „Wirtschaftsgilde“ (Arbeitskreis für Wirtschaftsethik und Sozialgestaltung)
  • 1950 „Christliche Presse-Akademie“
  • 1951 Gründung „Evangelische Aktionsgemeinschaft für Arbeiterfragen“ (Agfa)


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Trotz Missions- und Aufbruchcharakter ist der Akademieleitung wichtig, die Soldaten nach Ende des Krieges nicht aus dem Blick zu verlieren. 1950 finden die ersten Tage der Besinnung für ehemalige Soldaten statt.

Dafür hagelt es auch Kritik, vor allem an Akademiedirektor Müller: „Für seine Gegner ist es allerdings bis heute evident, dass beispielsweise die ersten Soldatentagungen in Zusammenarbeit mit Wolf Graf von Baudissin nicht nur der Seelsorge traumatisierter Soldaten dienen, sondern die Bundeswehr und deren potenziellen Kriegseinsatz in die junge Bundesrepublik integrieren sollen.“

(Quelle: Sabrina Hoppe: „Der Protestantismus als Forum und Faktor“, Verlag Mohr Siebeck 2019, S. 185)
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1951 bis 1966 - Westintegration und Wehrbeitrag: Die Akademie im Zentrum der Deutschlandpolitik

Bundeskanzler Konrad Adenauer (Mitte), Hermann Weinkauff, Präsident des Bundesgerichtshofs (links) und Landesbischof Martin Haug bei der Tagung „Die Zusammenarbeit der Konfessionen im Staat“, 20./21. Juni1954

(Foto: Dr. Ursula Fritzsche)
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Nach fünf Jahren erfolgreicher Akademiearbeit beginnt eine neue Phase: Nicht nur, dass die Akademie vom Kursaal einige hundert Meter weiter in die Villa Vopelius zieht. Auch inhaltlich in den Themen der Tagungen kommt die Akademiearbeit in der bundesdeutschen Realität an.
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Die Evangelische Akademie Boll ist stets ein Spiegel der Gesellschaft. Nach der Währungsreform im Sommer 1948 in den drei westlichen Besatzungszonen rücken neue Zielgruppen in den Blick. Führende Politiker gehen ein und aus in Boll – was vor allem Eberhard Müllers gut verzweigtem Netzwerk zu verdanken ist. Es heißt, er sei wöchentlich in Bonn bei den Regierenden gewesen. Bundeskanzler Konrad Adenauer und Bundespräsident Theodor Heuss sind häufig zu Gast in der Akademie. Kritik bleibt nicht aus: Einseitigkeit und Rechtslastigkeit in gesellschaftlichen Fragen der Westbindung und Wiederbewaffnung werden Müller vorgeworfen.
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Franklin Littell (2. v.l.) übergibt die Skulptur „Generation“ an den Akademiedirektor Müller (links).
Franklin Littell (2. v.l.) übergibt die Skulptur „Generation“ an den Akademiedirektor Müller (links).
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Die Westorientierung Müllers beruht auch auf der engen Bekanntschaft mit dem methodistischen Pfarrer Franklin H. Littell (Foto 2. v.l.). Dieser ist seit 1949 als Officer for Religious Affairs in Stuttgart eingesetzt und unterstützt in dieser Position die Akademiearbeit Müllers – vor allem auch finanziell.

Eberhard Müller erinnert sich: „Franklin Littell dagegen hatte die Möglichkeiten und Allüren eines Mäzens. Die Akademien und der Kirchentag waren sein liebstes Kind, weil er hier etwas Neues zu erkennen glaubte, das aus den Traditionen des alten 'staatskirchlichen Parochialismus‘ hinausführte. Er verlangte nicht den Nachweis einer erfolgreichen Vergangenheit, sondern förderte eine ideenreiche Zukunft“.

(Quelle: „Aktuelle Gespräche“ 1/1977, S. 25)
Franklin Littell (2. v.l.) übergibt die Skulptur „Generation“ an den Akademiedirektor Müller (links).
Franklin Littell (2. v.l.) übergibt die Skulptur „Generation“ an den Akademiedirektor Müller (links).
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Mehr als 100 evangelische und katholische Christen kommen im Sommer 1954 zusammen. Unter ihnen sind auch der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer, verschiedene Bundes- und Landesminister sowie Vertreter der Kirchen. „Für das junge Staatswesen der Bundesrepublik ist es von lebenswichtiger Bedeutung, dass die konfessionellen Spannungen nicht zu neuer Aufspaltung unseres Volkes führen. Jeder Mensch und jede politische und weltanschauliche Gruppe unseres Volkes kann durch Schüren des konfessionellen Haderns sich schuldig machen oder durch Förderung der Verständigungsbereitschaft und der gegenseitigen Rücksichtnahme in hörbereiter Wahrhaftigkeit dem Wohl unseres Volkes dienen. Die einladenden Akademien sind der Überzeugung, dass hier eine Aufgabe der christlichen Bewährung gestellt ist.“ Mit diesen Worten luden die Katholische Akademie Hohenheim und die Evangelische Akademie Bad Boll zur Tagung „Zusammenarbeit der Konfessionen im Staat“ am 20./21. Juni 1954 ein.

(Quelle: „Aktuelle Gespräche“ 3/1954, S.1)

Nach Diskussionen und mit der Erkenntnis ihrer gemeinsamen Verantwortung geben sie eine Erklärung in vier Punkten ab:
  1. (...) Wir glauben darum, dass jeder Christ um des Gewissens willen verpflichtet ist, dem Christen anderer Konfessionen die volle Freiheit einzuräumen, seiner Überzeugung zu leben.
  2. Bei der Besetzung wichtiger Stellen des öffentlichen Lebens auch Kirche vertreten sein sollen.
  3. Alle Christen, auch die der Minderheiten, sollen dem Frieden unter Menschen dienen.
  4. Eine friedliche, verständigungsbereite Zusammenarbeit der Christen beider Konfessionen ist überall und stets gefordert.
(Quelle: „Aktuelle Gespräche“ 3/1954, S. 3)

(Fotos: Dr. Ursula Fritzsche)
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Bundeskanzler Konrad Adenauer über das deutsche Volk nach dem Zusammenbruch

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Ist die Akademie parteilich? Dieser Vorwurf kommt auf um die Rolle Müllers im Streit um die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik. „Er war der festen Überzeugung, dass der Kommunismus eine unterschätzte Gefahr für den einzelnen Menschen – die Persönlichkeit – und die Menschheit im Ganzen darstellte. Eine ‚Systemrivalität’ bestand nach Müller dabei nicht nur politisch zum System der Bundesrepublik, sondern auch strukturell zum christlichen Glauben: Dieser stand für ihn in diametralem Gegensatz zum Menschen- und Weltbild des Kommunismus, dessen negative Ausprägungen er im politischen System der DDR und im sogenannten christlichen Sozialismus verkörpert sah. Müllers Engagement für den christlichen Glauben muss somit als Versuch verstanden werden, dem Menschenbild des Kommunismus etwas Wirkmächtigeres entgegenzusetzen.“

(Quelle: Sabrina Hoppe: „Der Protestantismus als Forum und Faktor“. Verlag Mohr Siebeck 2019, S. 188)

(Foto: Peter Stolp, Exklusivrechte bei der Zeitschrift „Der Heimkehrer“, Göppingen)
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Franz-Josef Strauß, damaliger Verteidigungsminister, 1957 auf der Tagung „Presse und Bundeswehr“ zur Wiederbewaffnung

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Theodor Heuss, damaliger Bundespräsident, fährt mit Staatskarosse vor; Schlüsselübergabe für Neubau; Heuss und Herren gehen über Holzplanken zum Neubau.

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Akademiedirektor Müller im Rahmen der Einweihungs- und Jubiläumstagung „Der deutsche Weg“ über die Aufgabe der Akademie des zweiten Jahrzehnts ihrer Arbeit.

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Die Akademie Bad Boll hat einen Namen und sich einen festen Platz in der Arbeit der Evangelischen Kirche erarbeitet. So sind zum zehnjährigen Bestehen am 29. September und 1. Oktober 1955 rund 300 führende Persönlichkeiten aus Kirche, Wirtschaft und Wissenschaft, Erziehung und Presse zum Feiern angereist.

(Foto: Dr. Ursula Fritzsche)

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Eberhard Müller über das Bestreben der Akademie, die Gesprächskultur zu fördern.

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(Foto: Peter Stolp)
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Die Debatten der Tagungen erscheinen ab Januar 1953 in der Hauszeitschrift „Aktuelle Gespräche“. Ab 2004 heißt das Akademie-Magazin „SYM“.
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Seit Mitte der 1950er-Jahre versucht Direktor Müller, die Arbeiter als mögliche, jedoch oft versäumte Adressaten der christlichen Botschaft, „mithilfe spezieller Akademie-Tagungen, insbesondere mit der Aktionsgemeinschaft für Arbeiterfragen, zu erreichen und diese Laien in das protestantische Feld zu integrieren. (...) Hinter diesem Engagement stand außerdem seine Sorge um einen möglichen wachsenden Einfluss des Kommunismus insbesondere auf die Arbeiterschaft. Müller sah sich selbst dabei nicht als Teil einer Institution einer zur EKD gehörenden Landeskireche, was die Akademie Bad Boll tatsächlich war, sondern als professionellen Vermittler zwischen Amtskirche und Laien. Er agierte mit dem Habitus eines Protestanten, die die Dichotomie von Kirche und Welt als Herausforderung und existenzielle Aufgabe für die Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg wahrnahm.“

(Quelle: Sabrina Hoppe: „Der Protestantismus als Forum und Faktor“, Verlag Mohr Siebeck 2019, S. 182-183)

Später sollen nicht nur die Einzelnen eines Betriebs in Tagungen Gehör finden, sondern die Vielfalt der in einem Betrieb tätigen Mitarbeiter gemeinsam – vom Arbeiter bis zum Manager. Die sogenannten Querschnittstagungen sind ins Leben gerufen.

Der Ausdruck von der „Akademie als der dritte Ort“ wird geprägt. „Entscheidend dabei ist, dass die Direktion ebenso gut vertreten ist wie der Betriebsrat, die leitenden Angestellten der verschiedenen technischen und kaufmännischen Abteilungen ebenso wie die Arbeiterinnen und Arbeiter aus den Werkstätten. Auf diese Weise finden sich die betrieblichen Arbeitspartner auf dem Boden der Akademie als Gesprächspartner und in der Gemeinsamkeit eines Wochenendes als Menschen wieder, die sich über das rein Betriebliche hinaus etwas zu sagen haben.“

(Quelle: „Aktuelle Gespräche“ 1/1957, S. 8, Interview Jörg Simpfendörfer, Geschäftsführer Akademie Bad Boll)
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1951 veranstaltet die Akademie 52 Tagungen. Bereits 1957 steigt die Zahl auf 152, 1964 sind es 348 Tagungen. Die Zahl der Tagungsteilnehmer wuchs im Laufe der Jahre um 82 Prozent auf 15.362.

Die Akademiearbeit integriert sich immer stärker in sonstige kirchliche Bemühungen. Die Mitarbeiter der Akademie sind immer öfter unterwegs, 1964 halten sie 358 Vorträge auf Veranstaltungen, die nicht zur Tagungsarbeit der Evangelischen Akademie gehören.

Finanziert wird die Akademie im Jahr 1965 durch Beiträge der Tagungsteilnehmer und aus Spenden (36 Prozent) sowie durch Mieten und Sachbezüge von Mitarbeitern (rund 8 Prozent). Der landeskirchliche Zuschuss beträgt etwas über 35 Prozent, die verschiedenen staatlichen Zuschüsse aus Mitteln des Landes und des Bundes ergeben etwa 21 Prozent.

(Foto: Dr. Ursula Fritzsche)
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1967 bis 1988 - Form oder Faktor. Rudi Dutschke, Ernst Bloch und neue Aufbrüche

(Foto: Kulessa)
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DER SPIEGEL 8/1968 vom 19.02.1968, Seite 30ff. - https://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/46122776
DER SPIEGEL 8/1968 vom 19.02.1968, Seite 30ff. - https://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/46122776
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Der Aufruhr ist groß: Die Akademie hat Rudi Dutschke, den Wortführer der Studentenbewegung, am 11. Februar 1968 eingeladen. Tagungstitel: „Novus Ordo Saeculorum. Oder: Das Problem der Revolution in Deutschland“. Die Tagung polarisiert – und ist viel beachtet. Sogar das Politik-Magazin „Der Spiegel“ berichtet in zwei Ausgaben.
„Rudi Dutschke hat einen neuen Punkt auf die Tagesordnung der Demokratie gesetzt. Das kann auch von seinen Gegnern nicht bestritten werden“, schreibt Direktor Müller in den Aktuellen Gesprächen.

(Quelle: „Aktuelle Gespräche“ 1 + 2/1968)

Doch dass die Akademie diesem Studenten-Revolutionär eine Bühne gibt und nur links-politische Podiumsteilnehmer wie den Tübinger Philosophen Ernst Bloch einlädt, stößt vielen bitter auf. Werner Simpfendörfer, damaliger Tagungsleiter, erinnert sich: „Am Tag nach der Dutschke-Tagung hat die Sitzung des CDU-Bundesvorstands begonnen und ich wurde zum damaligen Vorsitzenden der jungen Union, Herrn Stoltenberg, zitiert und im Café Heuss hat er uns runtergeputzt über die Tatsache, dass wir einem Kommunisten und Marxisten ein Podium geliefert hätten. Aber der Eberhard Müller hat das ziemlich gelassen hingenommen.“

(Quelle: „50 Jahre im Gespräch“, Susanne Bausch, S. 3, 23.09.1995)

Müller erklärt die Haltung der Akademie: „Auf den ersten Blick widerspricht eine derartige Zusammensetzung in der Tat dem Grundsatz der Überparteilichkeit der Akademie, über den dieser eifersüchtig zu wachsen gewillt ist. Das schließt aber nicht aus, dass sie gewisse Fragenkreise zunächst in einem engeren, keineswegs allgemein überparteilichen Rahmen diskutieren lässt. (...) Entscheidend ist immer, ob es so zu einer sinnvollen Konfrontation kommt, dass festgelegte Fronten aufgelockert und neue Erkenntnisse gewonnen werden. (...) Die Gesprächspartner der Revolutionstagung in Bad Boll waren zwar sehr verschiedener Meinung in den entscheidenden Fragen, die diskutiert wurden. Aber sie waren keine erbitterten Gegner.“

(Quelle: „Aktuelle Gespräche“ 1 + 2/1968)

47 Journalisten sind zur Tagung akkreditiert. Die 250 Tagungsgäste kommen aus allen Schichten, vom Bundesverfassungsrichter a.D. bis zum Studenten. In der ersten Reihe sitzen die Botschafter der USA und Großbritanniens mit Gattinnen. In der Boller Turnhalle hat die Bereitschaftspolizei Position bezogen – falls es Randale geben sollte. Die Akademie verbot sich Polizeipräsenz auf ihrem Gelände.

(Quelle: NWZ, Göppingen, 10.9.2018, Autor: Jürgen Schäfer)

Dutschke reist mit Familie an in die schwäbische Provinz: Frau Gretchen und der drei Wochen alte Sohn Hosea-Che. Die Gerüchteküche brodelt. Sollte die Akademie die Revolutionäre durch ein Horror-Honorar von 20.000 Mark an Dutschke mitfinanziert haben? Akademie-Direktor Müller klärt in einer Pressemitteilung auf: Dutschke hatte ein Honorar von 50 D-Mark erhalten sowie 162 D-Mark Reisekosten. Das war´s. Zwei Monate nach der Tagung folgt das Attentat auf Dutschke. Er überlebt schwer verletzt.
DER SPIEGEL 8/1968 vom 19.02.1968, Seite 30ff. - https://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/46122776
DER SPIEGEL 8/1968 vom 19.02.1968, Seite 30ff. - https://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/46122776
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3/3: Rudi Dutschke und Ernst Bloch äußern sich während der Tagung „Novus Ordo Saecularum – oder: Das Problem der Revolution in Deutschland“

(Foto: Kulessa)

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„Man hat von der Evangelischen Akademie oft gesagt, dass sie sich politisch zwischen die Stühle gesetzt hat. Umso mehr freuen wir uns, dass sich heute führende Politiker unseres Landes auf unsere Plätze gesetzt haben.“

(Quelle: „Aktuelle Gespräche“ 3/1970, S. 9)

So begrüßt Direktor Müller die rund 600 Gäste. Gefeiert wird das 25-jährige Bestehen der Akademie. Den Festvortrag hält der Physiker und Friedensforscher Carl Friedrich von Weizsäcker in der Turnhalle der Boller Schule am 26. September 1970. Einen Tag später feiern die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Akademie mit einem großen Fest.

(Foto: Ev. Landespfarramt für Rundfunk und Fernsehen)
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Mit Herzblut, schwäbischer Sturheit und christlicher Überzeugung hat Eberhard Müller die Evangelische Akademie Bad Boll ins Leben gerufen und geleitet. Die Akademie ist eine Institution. 1971 – nach 26 Jahren als Direktor – verabschiedet sich Müller in den Ruhestand.

Müller gehört zu den einflussreichen Theologen im Deutschland der Nachkriegszeit. 1971 erhält er für seine Verdienste um die Gestaltung der deutschen Nachkriegsordnung das Große Bundesverdienstkreuz.

Eberhard Müller (Mitte) mit seinen Brüdern Bernhard (links) und Manfred

(Foto: Kirschner, Stuttgart-Bad Cannstatt)
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Nach Müllers Abschied tritt ein Dreier-Team seine Nachfolge der Akademieleitung an: Christoph Bausch, Klaus Lubkoll und Paul-Gerhard Seiz.

Mit der neuen Generation an der Spitze geht ein Paradigmenwechsel einher: Während Müller die Akademie als Forum und Ort des Austausches und der Verständigung sah, proklamiert die Dreier-Spitze verstärkt den Faktor-Gedanke – weshalb das Trio auch als „Trizep“ der Akademie bezeichnet wird.

(Quelle: Aktuelle Gespräche 3/1971)

(Fotos: Landespfarramt für Rundfunk und Fernsehen; Christoph Schubert)
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Christoph Bausch über den Auftrag der Akademie

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Das Direktoren-Trio verändert die Arbeit der Akademie. Neue Zielgruppen werden erschlossen. Es sind die an den Rand Gedrängten: Arbeitslose, Alleinerziehende oder geschiedene Frauen (s. Fotos), Behinderte, Straffällige, Menschen aus der Dritten Welt sowie der Ökologie-Bewegung.

Neue Tagungsformate entstehen: Nach den Begegnungs- und anschließenden Querschnittstagungen werden in den 1970er-Jahren sogenannte Planungstagungen im Feld der Stadt- und Landes- sowie Sozialplanung entwickelt. Informations- und Studientagungen werden in Zusammenarbeit mit Betrieben und Organisationen ins Leben gerufen. Themen sind Fragen der Mitbestimmung, des Städtebaus, von Bildungsurlaub. Sogenannte Problemtagungen widmen sich meist theologischen Problemen.

(Foto: Landespfarramt für Rundfunk und Fernsehen, Stuttgart)

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„Spiele vorbereiten, nicht nur Vorträge...“

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Im Laufe der Zeit interessieren sich die Teilnehmenden der Tagung nicht nur für den Inhalt, sondern auch für die Methoden, insbesondere der Diskussion in großen und kleinen Gruppen.

Die Akademiearbeit ist methodisch differenzierter geworden – daraus entwickelt sich eine neue Tagungskultur mit Feedback, Gruppenarbeiten, Spiel. Vielfältige Kommunikationsmittel wie Tonbänder, Filme, Plakate kommen zum Einsatz.

Marlies Cremer – von 1957 bis 1978 Studienleiterin – hat Formen und Inhalte der Erwachsenenbildung wesentlich geprägt und gestaltet. Sie teilt die Arbeit der Akademie in vier Schwerpunkte auf: Prozessbegleitung (einzelner Betriebe über längeren Zeitraum); Problembearbeitung (von Eigentumsfrage hin zu Frage der Situation der Ausländer und Frage der Identität); persönliche Hilfe (Eltern behinderter Kinder, Angehörige Alkoholkranken und Geisteskranke, Tagung alleinstehende Mütter, ältere Menschen) und Erwachsenenbildung (Kurse, Seminare, Tagungen).

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1974 sind unter den rund 50 Tagungsleitern in der Akademie lediglich fünf Frauen. Chefpositionen sind nur von Männern besetzt. Studienleiterin Herta Leistner schreibt: „Beim Versuch, einmal eine Projektgruppe für Tagungsleiter mit dem Thema ‚Rollen von Mann und Frau im Wandel der Zeit‘ in Gang zu setzen, arbeiteten von allen 50 Tagungsleitern acht (4 Frauen und 4 Männer) mit. Worte wie ‚der Jungfrauenclub‘ waren zu hören.“

(Quelle: „Aktuelle Gespräche“ 4/1980 – Sonderheft Frauen)

Statt zu resignieren, ermutigt dies Herta Leistner, erste Frauentagungen in Bad Boll „anzuzetteln“, wie sie schreibt – eine für verheiratete Frauen, eine für alleinlebende Frauen. Herta Leistner ist es auch, die die Feministische Theologie in die Akademie trägt. In den USA war die Diakonin und Pädagogin mit der Frauenbewegung in Kontakt gekommen. 1979 organisiert sie mit Elisabeth Moltmann-Wendel die erste Werkstatt „Feministische Theologie“. Die Nachfrage ist groß – die Teilnehmerinnenplätze werden auf 45 erweitert, dennoch muss einigen abgesagt werden.

In der Einladung steht: „Frauen müssen nun bei ihrer Suche nach einer eigenen Identität selbst Subjekt des theologischen Arbeitens und Handelns werden und ihre eigenen Erfahrungen einbringen. Für diese Arbeit ein neues Selbstverständnis, eine befreite Identität aus der biblischen Botschaft heraus zu gewinnen, deren Ziel es ist, dazu beizutragen, dass unsere Kirche und Gesellschaft menschlicher werden, hat sich der Begriff Feministische Theologe gebildet.“

(Quelle: „Aktuelle Gespräche“ 3/1988, S. 25)

Kritik lässt nicht lange auf sich warten. Daraufhin bezieht die Direktion der Akademie Stellung: „(...) Wir unterstützen den Versuch der Frauen, die Bibel von ihrer besonderen Situation her zu lesen und ihre Einsichten in einer Sprache auszusagen, die Frauen betrifft und bewegt. Wir tun das nicht kritiklos und ohne Fragen. Jeder ungewöhnliche Weg wirft kritische Fragen auf. Es kann dabei nicht nur gerade Linien geben. Keine Theologie ist unfehlbar. Zu jeder ernsthaften theologischen Arbeit gehört deshalb die sorgfältige Prüfung, ob nicht eigene Positionen oder Erfahrungshintergründe in biblischen Texten hineingelesen werden. Gerade dies sollte auch im Blick auf die Impulse der Feministischen Theologie geschehen. Wir bedauern, wenn in unserer Kirche neue Versuche und ungewöhnliche Wege vorschnell auf grundsätzliche Ablehnung stoßen. Es gehört zu den Aufgaben der Ev. Akademie Bad Boll, aktuelle Fragen in Kirche und Gesellschaft aufzugreifen und sie in das Licht des Evangeliums zu rücken (§ 2 der Satzung). Wir halten es für richtig, dass die Versuche und Beispiele Feministischer Theologie im Ganzen der Akademiearbeit Raum geben.“

(Quelle: „Aktuelle Gespräche“ 2-3/1982, S. 54)
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Im Zuge einer „Konzentration der Akademiearbeit“ veranlasst die Kirchenleitung, dass zehn Prozent der Mitarbeiterplanstellen eingespart werden. Es herrscht Unruhe in der Akademie. Zudem soll nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 11. Juni 1981 Gewerkschaftsbeauftragten der Zugang zu kirchlichen Einrichtungen verwehrt werden. Die Akademie Bad Boll und ihre Mitarbeitenden sehen das nicht ein, weshalb für kirchliche Einrichtungen andere Regeln gelten sollen als für jeden anderen Betrieb.

Im selben Jahr werden „Tu-was-Feste“ gefeiert. Eingeladen sind alle, die im Laufe des Jahres Kontakt zur Akademie hatten. Rund 300 Besucher kommen, backen Brot, basteln Puppen, singen im Chor, tanzen, sporteln in Gymnastik-Workshops und besuchen den Gottesdienst.
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Manfred Fischer tritt ab 1. Oktober 1980 neu ins Direktoren-Team ein. Seiz verlässt zum Ende desselben Jahres die Direktion. Klaus Lubkoll ist bereits 1978 ausgestiegen.

Geblieben ist Christoph Bausch, der bis 1988 zusammen mit Manfred Fischer und ab 1982 auch mit Günther Metzger zusammen die Akademie leitet.

(Fotos: Christoph Schubert)
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Ende 1978 haben Mitarbeiter der Akademie in Kirchberg/Jagst das alte Rat- und Schulhaus des Ortsteils Hornberg gekauft und den Verein „Hornberger Baukasten Bad Boll“ gegründet. Ziel dieser Initiative ist es, Tagungen und Kurse so durchzuführen, dass Leitung und Teilnehmende in gemeinsamer Verantwortung den Ablauf eines Kurses planen. Zudem versorgen sie sich selbst und kochen gemeinsam. Dadurch sollte der sonst bei Tagungen übliche Hotelstil aufgebrochen werden. Jobst Kraus, ehemaliger Studienleiter und Mitinitiator, erinnert sich.
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Nicht nur reden, sondern handeln. Mit einem Schild „Rettung des Waldes“ verabschieden die Akademie-Mitarbeiter autofahrende Tagungsgäste.

Die Botschaft ist klar: „Wir ziehen uns unserer eigene Lebensgrundlage unten den Füßen weg, indem wir unsere Umwelt kontinuierlich schädigen, teils aus Gedankenlosigkeit, teils aus purer Bequemlichkeit. Die wenigsten von uns scheinen begriffen zu haben, dass es bereits fünf vor zwölf ist.“

(Quelle: „Aktuelle Gespräche“ 2/84, S. 23)

Die Studienleiter Jobst Kraus und Andreas Freudenberg dokumentieren in einer Studie und einem Modellversuch, wie die „ökologische Buchhaltung“ angewendet werden kann und die Akademie zur Umweltbelastung und Ressourcentilgung beiträgt. Die Ergebnisse sind erschreckend. Die Akademieleitung handelt: starke Glühbirnen werden durch schwächere ersetzt; chemische Reinigungsmittel durch biologische ausgewechselt; Mitarbeiter sensibilisiert.

1978 wird das Projekt „Umweltverträgliches Wirtschaft an Akademien und Tagungsstätten“ initiiert. Die Akademieküche beginnt mit einer weitreichenden Umstellung – Fertiggerichte werden durch frisch zubereitete Mahlzeiten ersetzt, eingekauft wird ab sofort schadstoffarm in der Region, und es gibt abwechselnd fleischhaltige und vegetarische Gerichte.

Mittlerweile in Leitlinien Ökologisches Handeln verankert.
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REGIONAL - BIO - FAIR

Die Gastronomie der Evangelischen Akademie Bad Boll

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„Die Akademien haben stets die Aufgabe gehabt, die sich wandelnden Fragestellungen und die neuen Herausforderungen zu erkennen und zur Sprache zu bringen. Das war oft schwer und ist es wohl heute noch. (...) Sicher sind manchmal auf den Ev. Akademien Versuche gemacht worden, die Gegenwart und Zukunft in einem Sinn zu erkennen, der vielleicht für manche Menschen auch etwas einseitig wirkt. (...)Der Hauptsinn ist (...), dass dort zur Sprache gebracht wird, was die Menschen bedrückt vor dem Hintergrund dessen, was wir uns als Christen als Aufgabe gesellt haben und dass dabei gerade auch diejenigen zur Sprache kommen, die es damit sonst in ihrem Leben schwer haben.“ Mit diesen Worten würdigt Bundespräsident Richard von Weizsäcker die Akademie. Er hält Akademien zu diesem Zeitpunkt genauso notwendig wie in ihrem Gründungsstadium.

(Quelle: „Aktuelle Gespräche“ 4/1985, S.9ff.)

Mit 250 Gästen wird am 14. Oktober 1985 das 40-jährige Bestehen der Akademie gefeiert mit der Tagung „Weltverantwortung der Kirche“ und einem „Abend der Begegnung“.

(Fotos: Pressestelle; epd, S. Kirschner)
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Anfang der 1970er-Jahre werden die Entwicklungsarbeit und Ökumene über Ländergrenzen hinweg immer wieder in Bad Boll diskutiert. 1973 gründet die Akademie Bad Boll die Projektgruppe Dritte Welt, in der acht Tagungsleiter verschiedener Abteilungen der Akademie zusammenarbeiten. Ziel ist, innerhalb der Akademie das Bewusstsein für die Herausforderungen in der Dritten Welt zu schärfen. Es entsteht die Arbeitsgemeinschaft „Dienste in Übersee“, die Fachkräfte für ihren Einsatz und das Leben in einem fremden Land fortbildet.

1986 startet die Tagungsreihe „South African Literature“. Prominente südafrikanische Schriftsteller aus dem Widerstand (Don Matera) und Exil (Denis Brutus, Vernon February) sind zu Gast in Bad Boll.

1988 geht die Akademie eine Partnerschaft mit dem Aktionszentrum „Diakonia“ in Südafrika ein. Dies ist eine 1976 im Großraum Durban eingesetzte Arbeitsgruppe von acht christlichen Kirchen und einer christlichen Organisation. Sie soll als eine hauptamtliche Arbeitsgruppe für die christlichen Gemeinden die sozialen Probleme bearbeiten, die durch das Apartheitssystem hervorgerufen werden.

(Fotos: Christoph Schubert)
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Seit 1977 wird die Akademie auch für Kunstausstellungen genutzt – und öffnet sich so einem weiteren Kundenkreis. Bis heute stellen immer wieder Künstlerinnen und Künstler in der Akademie aus.

In der ersten Ausstellung zeigt der Schweizer Karikaturist Jals (Smolinski) seine Arbeit (Fotos).

Mittlerweile umfasst die Sammlung der Akademie vielseitige Werke von Skulpturen und Gemälden. Sie zieren den Park und die öffentlich zugänglichen Räume sowie die Tagungszimmer der Tagungsgäste.

(Siehe auch: Buch „Raum im Dialog“)

(Foto: Pressestelle)
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1989 bis 1990: 50-Jahr-Feier und Strukturveränderung

1955 feiert die Akademie ihr 50-jähriges Bestehen.

(Foto: Christoph Schubert)
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Am 11. Januar 1989 stirbt Eberhard Müller. Er hat die Evangelische Akademie 1945 gegründet, 26 Jahre lang geleitet und sich auch im Ruhestand immer wieder in die Themen der Zeit eingebracht.

Eberhard Müller zu seinem 80. Geburtstag 1986 in seinem Arbeitszimmer im Kornbergweg, Bad Boll.

(Foto: Uwe Walter)
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Albrecht Daur, Godlind Bigalke und Manfred Fischer (v.l.) 1995 an der Spitze der Akademie
Albrecht Daur, Godlind Bigalke und Manfred Fischer (v.l.) 1995 an der Spitze der Akademie
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Mit Godlind Bigalke tritt 1989 die erste Frau als Direktorin an die Spitze der Evangelischen Akademie Bad Boll. Zusammen mit Albrecht Daur ab 1993 (links im Bild) und Manfred Fischer leitet sie die Akademie.

Die Ausgangslage Anfang der 1990er-Jahre beschreibt Manfred Fischer wie folgt: „Die Evangelische Akademie ist schon lange nicht mehr allein auf dem Feld der Tagungsarbeit. Schon längst hat sie ihre Monopolstellung (...) verloren. (...) Die Akademie Bad Boll ist mittlerweile 45 Jahre alt. Mag sein, dass sie sich in einer Midlife-crisis befindet. Sie hat Probleme in und mit der Familie, und andere und neu Partner gefallen ihr manchmal besser. Außerdem hat die A. ein Gewichtsproblem. Ihre Bewegungen sind etwas schwerfällig geworden, und ihre Gedankenschwere zeigt sich vor allen Dingen immer auf irgendeiner Waage. Und manchmal sehe ich unsere Akademie gewissermaßen als ‚grüne Witwe’ in der wunderschönen Isolation am Fuß der idyllischen Alb, weitab von allem Geschehen. Und bisweilen frage ich mich, ob eine solche idyllische Lage nicht Introvertiertheit und manches an Realitätsverlust mit sich bringt.“

(Quelle: „Aktuelle Gespräche“ 4/1990, S. 5)
Albrecht Daur, Godlind Bigalke und Manfred Fischer (v.l.) 1995 an der Spitze der Akademie
Albrecht Daur, Godlind Bigalke und Manfred Fischer (v.l.) 1995 an der Spitze der Akademie
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Nach Montelimar und Bad Urach ist Bad Boll 1993 die dritte Etappe der Euroseminare des Landes Baden-Württemberg. Im Blick: Das Älter werden in Europa. Fragen, wie sich die Familienstruktur verändert, das Arbeitsleben und schließlich der Ruhestand, werden diskutiert. Dazu setzen sich rund 260 Teilnehmende aus fünf Regionen Europas mit dem Thema auseinander. Am Ende wird ein Memorandum präsentiert: „Die 14 Punkte von Bad Boll“ – das Memorandum „Älter werden in Europa“. Dabei geht es nicht darum, die Sozialfürsorge und Altenhilfe auszuweiten oder die europäische Altenpolitik zu vereinheitlichen. „Vielmehr fordern wir angesichts des Wandels der Gesellschaft den Umbau des Sozialstaates und die Veränderungen auf gemeinsame Werte, Leitlinien und Visionen in Europa.“

(Quelle: „Aktuelle Gespräche“ 1/1993, S. 19ff.)
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Die Idee kommt von den Mitarbeitenden der Akademie: Der Dokumenta-Künstler Mo Edoga sollte bearbeitete und unbehandelte Hölzer, Materialien und ausgedehnte Gebrauchsgegenstände auf dem Geländer der Akademie zu einem Kunstwerk verarbeiten. Entstanden sind im Sommer 1993 das „Boll-Werk“ und die „Müll-Ikone“ aus zahlreichen Toilettenschüsseln vor der Villa Vopelius.

„Über die vordergründige Müllthematik hinaus war die Beauftragung des Künstlers von einer zentralen Frage zur gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Situation geleitet“, schreibt der damalige Studienleiter Jobst Kraus, „Warum ändert sich so wenig in unserer Gesellschaft, und wie lässt sich das ändern? Lassen sich Menschen in einer Zeit, in der Katastrophen und Krisen in den Alltag integriert, das heißt normalisiert werden, aus ihrer Zuschauerposition herausholen und zu gesellschaftlichem Handeln ermutigen?“

(Quelle: „Aktuelle Gespräche“ 4/1993, S. 12ff.)

Die Werke provozieren, die Kunstaktion schlägt Wellen und Kritik: „Was ist Kunst?“ Doch bereits nach einem Jahr muss die „Müll-Ikone“ auf vielfache Kritik hin abgebaut werden. 1996 folgt das „Boll-Werk“ – die Balken sind morsch geworden und drohen einzustürzen. „Ausgangspunkt seines Werks ist der Mensch, Künstler und Betrachter, die einen Dialog darüber beginnen, wie diese Balance wieder hergestellt werden kann. Exemplarisch zeigt er in seinem Werk die Möglichkeit auf, den Menschen wieder zum Handelnden und nicht zum nur Reagierenden zu machen, durch den Gebrauch von Hand und Geist, vorurteilsfrei und selbstbestimmt“, schreibt Jobst Kraus.

(Quelle: „Aktuelle Gespräche“ 4/1993, S. 16)

(Fotos: Uwe Walter; Pressestelle Akademie Bad Boll; Christoph Schubert)






















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Anfang der 1990er-Jahre beginnt der Prozess „Akademie 2000“: Es wird eine neue Akademiestruktur entwickelt, die sich künftig durch gebündelte Schwerpunktthemen profilieren möchte. Auch das Führungs- und Leitungskonzept wird diskutiert.

Die Studienleiterinnen und Studienleiter formulieren die „Leitsätze für Arbeit der Evangelischen Akademie Bad Boll“:
  • Wer sind wir?
    „Die Evangelische Akademie Bad Boll ist ein Ort der Begegnung für Menschen unterschiedlicher Herkunft und Überzeugung, für verschiedene Gruppen und Institutionen der Gesellschaft. (...)“

  • Worin sehen wir unseren Auftrag?
    „Die Akademie greift wichtige, auch verdrängte Themen aus der Gesellschaft und Kirche in Tagung und anderen Arbeitsformen auf. (...) Die Akademie bestärkt und ermutigt Menschen, in gesellschaftlichen Entwicklungen verantwortlich und phantasievoll mitzuarbeiten. (...)“

  • Wovon lassen wir uns leiten?
    „Die Akademie orientiert ihre Arbeit an der biblischen Botschaft. (...) Wichtig ist dabei die Erfahrung der heilsamen Nähe Gottes und das ökumenische Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. (...)“

  • Wie wollen wir unseren Beitrag erbringen?
    „Die Akademie lebt in ihrer Arbeit von vielfältigen Formen des Miteinanders und des Gesprächs. (...)“

  • Wie arbeiten und leben wir in der Akademie zusammen?
    „Die Akademie will auch im eigenen Haus, in Hauswirtschaft, Büro und Tagungsbereich den Ansprüchen gerecht werden. Die Akademie versucht, ökologisch zu wirtschaften und in ökumenischer Partnerschaft zu lernen. (...)“
(Quelle: „Aktuelle Gespräche“ 4/1994, S. 24)

(Foto: Jobst Kraus)
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Ab 1994 sorgen Einsparvorgaben der Kirchenleitung für Unruhe und Missmut der Akademiemitarbeiter. Laut Pressemitteilung vom August 1994 werden insgesamt 28 Stellen gestrichen.

(Quelle: „Aktuelle Gespräche“ 3/1994, S. 11)

Als erstes stehen die Regionalbüros auf der roten Liste. Deren Aufgaben in den Außenbüros der Akademie in Ulm, Reutlingen, Stuttgart und Heilbronn sollen auf die kirchliche Industrie- und Sozialarbeit begrenzt werden.

1997 ist Akademie-Direktor Albrecht Daur optimistisch, mit neuen kirchlichen Angeboten neue Zielgruppen zu erreichen und damit eine neue Einnahmequelle zu erschließen. Ideenworkshops sollen Marktlücken auftun. Dabei ist für Daur kein Tabu, die Kirchenfinanzen durch Werbeeinnahmen und Sponsoring aufzubessern: „Wieso sollte etwa ein Gemeindebrief nicht durch Anzeigen finanziert werden?“, sagt er.

(Quelle: „Aktuelle Gespräche“ 3/1997, S. 27)


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Direktor Albrecht Daur zum Thema Stellenabbau.

(Quelle: SWR)

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Trotz Sparzwängen feiert die Akademie am 29. September 1995 ihr 50-jähriges Bestehen mit einem großen Festakt. Unter den rund 400 Gästen ist viel Prominenz vor Ort – wie Bundespräsident Roman Herzog, Jutta Limbach, Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, der baden-württembergische Innenminister Frieder Birzele, Klaus Zwickel, Vorsitzender der IG Metall, und Dieter Hundt, Präsident der Arbeitsgeberverbände Württemberg.

Roman Herzog zu Beginn seiner Rede: „Die Menge der vorgesehenen Redebeiträge macht offensichtlich, dass man hier noch immer auf das Wort vertraut und ihm entsprechend großen Raum gibt.“

(Quelle: Aktuelle Gespräche 3/1995, S. 4/5)

Der Bundespräsident spricht über die Bedeutung der Akademie als Ort für einen Dialog: „Tagungsräume, in denen sich Menschen treffen können, gibt es auch anderswo. Eine evangelische Akademie, so meine ich, bietet mehr als den sogenannten Meinungsaustausch, den man auch in den Kongressräumen eines modernen Flughafens abhalten kann. Vorhin habe ich kurz von der Vertikalen gesprochen. Auch und gerade ein freier und fairer Dialog braucht diese Zumutung einer anderen Dimension. Nur dann nämlich können sich alle Teilnehmer in gleicher Weise relativieren, nur dann ist klar, dass es eine absolut richtige Position in dieser Welt nicht gibt. Diesen Dienst leisten – hoffentlich – die Kirchen und die kirchlichen Akademien am Staat und der Gesellschaft.“

(Quelle: Aktuelle Gespräche 3/1995, S. 6)

Professor Ulrich Süße wurde anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Akademie beauftragt, eine Komposition zum Akademiesymbol zu schreiben. Das Auftragswerk "ukuvumelana kwezintambo – crossing over" wurde gefördert vom Ministerium für Familie, Frauen, Weiterbildung und Kunst des Landes Baden-Württemberg. Die Uraufführung fand im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung "Die BRÜCKE – Ein Ursymbol der Menschheit" am 04.10.1955 statt.

(Fotos: Giacinto Carlucci; Christoph Schubert)

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Der damalige Direktor Manfred Fischer über den Zwiespalt/die Haltung der Akademie zu kontroversen Themen.

(Quelle: SWR)

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Im Frühjahr 1996 geht Manfred Fischer in den Ruhestand. Als Direktor folgt ihm Jo Krummacher. Er wird später als „Brückenbauer und Segensmittler“ (Joachim Beck) bezeichnet.

Mit dem Wechsel an der Spitze der Akademie setzt sich die Veränderung fort. Eine neue Geschäftsordnung tritt in Kraft. Fortan gibt es keine Referate mehr, sondern Arbeitsbereiche. Auch der Direktionsausschuss, in dem die Tagungsleiterinnen und -leiter bis dahin die Direktion institutionell beraten konnten, fällt weg. Schrittweise werden zudem die Instrumente Analyserunden und Zielvereinbarungen eingeführt.





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Im Frühjahr 1997 startet die Akademie ihre Online-Offensive. Ab jetzt ist die Akademie Bad Boll über ihre Homepage auch im Internet zu finden.

(Fotos: Christoph Schubert)
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Arbeitsmarktpolitik, Gesundheitssysteme, Pflege und Alterssicherung in Europa: Diese Themen diskutieren 130 Expertinnen und Experten aus 21 Ländern in Bad Boll. Die Tagung „Soziale Sicherheit in Europa“ vom 29. bis 31. Januar 1998 ist richtungsweisend für ein vereintes Europa.

Ausgangspunkt ist der alle zwei Jahre von der Europäischen Kommission vorgelegte Bericht „Soziale Sicherheit in Europa“. Noch bevor die Fakten in diesem Jahr veröffentlicht werden, schaut man in Bad Boll die Aussagen genau an. „Bad Boll bietet die Chance, dass das gewaltige Datenmaterial, das in dem EU-Bericht verarbeitet wurde, nicht in die Schreibtischschubladen verschwindet“, sagt der Konferenzleiter Martinus Kuhlo.

(Quelle: Aktuelle Gespräche 1/1998, S. 2/3)

(Fotos: Uwe Walter)


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Von Beginn an der Akademiearbeit ist der Brückenschlag zwischen Tagungsteilnehmern Programm – sei es, weil sich ihre Meinungen unterscheiden, ihre Herkunft, ihre Erfahrungen. Seit 1955 trägt die Akademie die Brücke in ihrem Logo.
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2000 bis 2010 – Die Akademie im Wandel

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(Fotos: Manfred Krause; Werner Feirer)
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Mit Annedört Hinz folgt 2001 die zweite Frau als Akademiedirektorin. Hinz folgt auf Albrecht Daur. Zusammen mit Godlind Bigalke und Jo Krummacher führt sie die Akademie bis 2004.

Es sind unruhige Zeiten; unter den Direktoren kriselt es. Im Sommer 2005 gibt schließlich der geschäftsführende Akademiedirektor Jo Krummacher bekannt, dass er für die CDU in den Bundeswahlkampf zieht. Er gewinnt bei der Wahl im September das Direktmandat – und verlässt Anfang Dezember 2005 seinen Posten in der Akademie.

Sein Nachfolger ist Joachim Beck, der bereits kommissarisch 2003/2004 die Geschäfte mit geleitet hatte. Mit Becks Ernennung ändert sich zugleich die Leitungsstruktur der Akademie: Zukünftig wird es nur noch einen statt zwei Direktoren geben. An seiner Seite ist außerdem ein Geschäftsführer tätig.

Zudem legt die Akademie das Tagungshaus-Management in die Hände einer Holding, so dass auch zahlreiche Tagungsgäste von außen und nicht nur zu Akademie-Tagungen nach Bad Boll kommen.

(Fotos: Uwe Walter; Uli Regenscheit)
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Die Akademie in Person von Direktor Jo Krummacher und Studienleiter Mauricio Salazar begleiten die Freilassung von linksgerichteten Rebellen in Kolumbien
Die Akademie in Person von Direktor Jo Krummacher und Studienleiter Mauricio Salazar begleiten die Freilassung von linksgerichteten Rebellen in Kolumbien
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In Kolumbien herrscht Bürgerkrieg. Zahlreiche Organisationen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unterstützen Partnerorganisationen vor Ort, um den krisengebeutelten Menschen zu helfen und sich für Frieden einsetzen.

Im Frühjahr 2000 beschließt Jo Krummacher, geschäftsführender Direktor der Akademie Bad Boll, nach Kolumbien zu reisen. Er und Studienleiter Mauricio Salazar begleiten dort die Freilassung von acht Gefangenen der linksgerichteten Rebellenorganisation ELN. Sie stehen in Kontakt mit der Guerillagruppe und erreichen, dass diese zumindest eine Woche lang auf bewaffnete Aktionen verzichtet.

Das Engagement, Vertreter der zweitgrößten kolumbianischen Guerillagruppe ELN nach Bad Boll einzuladen, stößt auf Widerstand. In einer Pressemitteilung verweist die EKD am 16. Mai 2000 darauf, dass Krummacher kein Mandat der EKD für diese Einladung habe und auf Privatinitiative handle. Auch das Auswärtige Amt in Berlin hält nichts von dem Vorhaben.

Doch ein Treffen von Vertretern der ELN und kolumbianischen Nichtregierungsorganisationen im Mai in Bad Boll hat nach Ansicht Krummachers dennoch „Bewegung in die gestörten kolumbianischen Dialogbeziehungen“ gebracht.

(Fotos: Proc del Oueblo Bogota und Mauricio Salazar)
Die Akademie in Person von Direktor Jo Krummacher und Studienleiter Mauricio Salazar begleiten die Freilassung von linksgerichteten Rebellen in Kolumbien
Die Akademie in Person von Direktor Jo Krummacher und Studienleiter Mauricio Salazar begleiten die Freilassung von linksgerichteten Rebellen in Kolumbien
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Theologie und Politik waren und sind für ihn immer eng miteinander verbunden. Im April 2001 feiert der Tübinger Theologe Jürgen Moltmann seinen 75. Geburtstag in der Akademie Bad Boll. Denkräume, Gottesräume, Zukunftsräume, Freiräume: Die Raum-Metapher gibt das Leitmotiv des Geburtstagssymposiums vor. Es gratulieren ihm unter anderem sein alter Studienfreund und Bundespräsident Johannes Rau sowie der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel.

Moltmann gilt als der Gründervater der Politischen Theologie. 1964 erschien mit „Theologie der Hoffnung“ sein Werk, das ihm internationale Anerkennung verschafft.

(Fotos: Uwe Walter)
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Das 50-jährige Bestehen des Bundeslandes Baden-Württemberg wird im Jahr 2002 auch in Bad Boll gefeiert. Ende Februar findet eine Gemeinschaftstagung aller vier kirchlichen Akademien in Baden-Württemberg statt. Das Thema: Kirche und Staat. Zu Gast sind unter anderem Ernst Benda, ehemaliger Bundesinnenminister und Präsident des Bundesverfassungsgerichts, der Theologe Eberhard Jüngel sowie der damalige baden-württembergische Finanzminister Gerhard Stratthaus.

Eine Kamel-Karawane macht am 14. Juni Station in Bad Boll – einer der 50 Orte, die von der Karawane auf ihrem Weg von Ulm nach Karlsruhe aufgesucht werden. Im Kurpark wird eine Schatztruhe vergraben, die erst zum 100. Jubiläum der Akademie wieder gehoben werden soll.

(Fotos: Uwe Walter)
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Im Dezember 2002 verfügt der Oberkirchenrat der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, dass die Direktion und Geschäftsführung der Akademie neu organisiert werden.

Die Akademie ist im Umbruch. Die Finanzen fehlen, Stellen werden abgebaut. Ende 2003 stimmt die Herbstsynode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg zu, dass 28 der 127 Stellen der Akademie Bad Boll gestrichen werden.

(Fotos: Martina Waiblinger; Jonathan Wahl)
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Trotz Stellenabbau gibt es einen Neubau: Der Bau des Südflügels mit einem neuen Gästehaus stößt den Mitarbeitenden in einer Phase von Personalabbau bitter auf. Sie nutzen den ersten Spatenstich im August 2006, um gegen den Stellenabbau zu demonstrieren.

(Fotos: Martina Waiblinger))
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Die größte Tagung seit Bestehen der Akademie Bad Boll bis dato findet von 21. bis 23. Februar 2003 statt. Mehr als 450 Teilnehmende widmen sich dem Phänomen ADS (Aufmerksamkeitssyndrom). Um die vielen Besucher unterzubringen, wird eigens ein Zelt auf dem Akademie-Parkplatz aufgestellt.

(Fotos: Uwe Walter)
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Bio und vorbildlich: Die Küche der Akademie wird im März 2003 mit dem Bio-Star auf der Fachmesse Internorga in Hamburg als vorbildliche Bio-Küche ausgezeichnet.

Im Oktober wird der gesamte Betrieb zertifiziert: Die Akademie Bad Boll absolviert das europäische Öko-Audit nach der EMAS-Verordnung (Eco-Management and Audit Scheme). Damit verpflichtet sie sich, den betrieblichen Umweltschutz kontinuierlich zu überprüfen und zu verbessern. Seit 2005 wird auch in den Bereichen Ökonomie und Soziales nachhaltig gewirtschaftet.

Mit ihrem Nachhaltigkeitsmanagement übernimmt die Akademie in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg eine Pionierrolle. Nachhaltigkeit ist fester Bestandteil des Leitbildes der Akademie.

(Fotos: Martina Waiblinger; Jobst Kraus)
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Eduard Mörike, Hermann Hesse, Friedrich Mann: Schriftsteller der damaligen Zeit gingen bei ihnen ein und aus. Sie waren Gäste von Johann Christoph (1805 bis 1880) und Christoph Blumhardt (1842 bis 1919). Seit 2005 erinnert in der Villa Vopelius Blumhardts Literatursalon an das Wirken von Vater und Sohn Blumhardt. Zusammen mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach hat die Akademie Bad Boll den Raum eröffnet.

2014 gründet die Evangelische Akademie Bad Boll eine Blumhardt-Sozietät. Sie regt die wissenschaftliche Aufarbeitung der noch vorhandenen Archivalien Christoph Blumhardts an.

(Fotos: Martina Waiblinger)
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Auch Funktionäre des Deutschen Fußballbundes (DFB) haben die Spielräume nicht genutzt, um sich der Diktatur der Nationalsozialisten unter Hitler zu widersetzen – so die Einschätzung von Historikern beim Symposium „Fußball unterm Hakenkreuz“ am 7./8. April 2006 in der Akademie. Es ist eine Veranstaltung in Kooperation mit dem DFB mit größtem öffentlichen Aufsehen und großem Aufgebot an Prominenz. In Bad Boll sind DFB-Präsident Theo Zwanziger, Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, Historiker Nils Havemann sowie Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Bei aller Vergangenheitsbewältigung geht es auf dem Symposium auch um ganz gegenwärtige Diskussionen: Wer steht im Tor bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land – Oliver Kahn oder Jens Lehmann? Bundestrainer Jürgen Klinsmann gibt seine Entscheidung parallel zu der Veranstaltung in Bad Boll bekannt. Die Tagung wird kurz unterbrochen, damit DFB-Präsident Zwanziger den beim Symposium vertretenen Medien die Entscheidung kommentieren kann.

Herrscht auf dem Symposium noch Einigkeit, dass der DFB sich seiner Vergangenheit stellen muss, um aktuelle Fremdenfeindlichkeit im Keim zu ersticken, geht es im Nachklang kontrovers zu. Innenminister Wolfgang Schäuble hatte einem Besuch des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland keine Abfuhr erteilt. Auch wenn ein solcher Besuch „nicht einfach“ sein werde, sagte Schäuble in Bad Boll, „wollen wir gute Gastgeber sein“. Diese Bemerkung löst scharfe Proteste des Zentralrats der Juden in Deutschland aus, weil Ahmadinedschad in öffentlichen Äußerungen den Holocaust und das Existenzrecht Israels bestritten hatte.

(Quelle: Akademie-Meldung, 26.04.2006, von Uwe Walter)

(Fotos: Getty Images Unde; Uwe Walter; Martina Waiblinger)
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Mit einer Matinee gedenkt die Akademie im September 2006 dem Vater der Akademie. In diesem Jahr wäre Eberhard Müller 100 Jahre alt gewesen. Diskutiert wird sein Beitrag, den er für das Profil der Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg geleistet hat.

(Foto: Martina Waiblinger)
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Bedeutung der strategischen Partnerschaft mit Russland

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Für ein vertrauensvolles Verhältnis zu Russland wirbt Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder bei der Tagung „Russland und Deutschland – Hoffnungen und Missverständnisse“ am 6./7. Oktober 2006. Aus dem Kreml ist Sergei Jastrschembski, Berater des russischen Präsidenten, zu der Tagung gekommen. SPD-Urgestein Erhard Eppler warnt vor einer Haltung der Überheblichkeit und erinnerte an die Opfer Russlands im Zweiten Weltkrieg.

(Quelle: Akademie-Meldung, 22.10.2006)

(Foto: Uwe Walter)










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Scharfe Kritik, Protestbriefe und Demonstrationen erntet die Akademie Bad Boll im Frühjahr 2010: Zur Tagung „Partner für den Frieden“ mit Vertretern der Konfliktparteien im Nahen Osten sind auch Angehörige der Terrororganisation Hamas eingeladen. Die Akademie nimmt dazu wie folgt Stellung: „Auch im Falle der Tagung ,Partner für den Frieden’ identifiziert sie sich weder mit den Zielen noch mit der Praxis der Hamas, der Fatah, der israelischen Regierung oder einer anderen Konfliktpartei. Selbstverständlich teilt die Evangelische Akademie Bad Boll keinerlei antijüdische oder antisemitische Auffassungen.“

(Quelle: Akademie-Meldung, 28.04.2010)

(Fotos: Stefan Brückner)
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Im Jahr 2010 blickt die Akademie Bad Boll auf 25 Jahre Lesbentagungen zurück. „Ich bin froh, dass eine Gruppierung von lesbischen Frauen sich 25 Jahre lang treu bleibt“, sagt Herta Leistner. Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass es diese Tagungen gibt und die Akademie einen geschützten Raum für lesbisch lebende Frauen im Umfeld Kirche bietet.

(Quelle: Akademie-Meldung, 06.01.2011)


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2011 bis heute – Auf zu neuen Ufern!

(Foto: Claudia Mocek)
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Seit 2010 können die Ausgaben des Akademie-Magazins SYM auch online gelesen werden. Die Beiträge stehen auf der Internetseite https://www.ev-akademie-boll.de/service/publikationen/magazin-sym.html
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Christian Felber über die Gemeinwohl-Ökonomie

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Die wirtschaftliche Freiheit und Verantwortung sind aus dem Gleichgewicht geraten. Die globale Wirtschaft steckt in der Krise. Kann dies eine Chance für Europa sein? Spitzen aus Kirche und Wirtschaft diskutieren am 3. und 4. Februar 2011 in der Akademie die Utopie einer wettbewerbsfähigen sozialen Marktwirtschaft. „Evangelische Impulse zur Wirtschaftsordnung nach der Krise“ lautet der Titel einer Tagung, deren Überlegungen in eine Stellungnahme der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) zur Gestaltung der Wirtschaft nach der Krise einfließen. Die Forderung: Wettbewerb und Gerechtigkeit zu verbinden.

Im Oktober 2011 stellt Christian Felber von der Wirtschaftsuniversität Wien das Wirtschaftsmodell der Zukunft vor: die Gemeinwohl-Ökonomie.

(Foto: Martina Waiblinger)

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„Europa ist in Gefahr, zu einem Gebräu aus Schönrednern oder Kleinrechnern zu werden, zu einer Wirklichkeit des Großen sozialen Gefälles, zu einem Körper ohne Seele.“ So resümiert der württembergische Landesbischof Frank Otfried July den aktuellen Stand der Gesellschaft. Und er würdigt das Engagement der Synodalen für die europäische Zusammenarbeit. Diese weiter zu stärken ist das Ziel der Begegnungstagung im Januar 2012. Zum ersten Mal in der Kirchengeschichte sind Mitglieder der evangelischen Synoden von mehr als 50 Kirchen aus 17 europäischen Staaten in der Evangelischen Akademie Bad Boll zusammengekommen.

(Fotos: Martina Waiblinger; Katja Korf)
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Seit mehr als 20 Jahren coachen und trainieren die Mitarbeitenden der Akademie für Führung und Verantwortung (AFV) zahlreiche Führungskräfte. Die AFV finanziert sich durch die Einnahme von Honoraren und stellt aktuell ein Team von drei Studienleitenden dar. Sie führen Coachings, Supervisionen und Beratungen von Führungskräften und Teams durch; sie moderieren Klausuren von Führungskräften in Unternehmen, kommunalen Verwaltungen und diakonischen Einrichtungen. Neben dem Fachdienst Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt ist die AFV als Führungskräfte- und Organisationsberatung in christlicher Perspektive eine wesentliche Säule der Akademiearbeit.

2010 verändert sich die Struktur grundlegend: Die Landessynode beschließt in der „AG Zukunft“ (nach den Grundsatzentscheidungen und 28 Stellenstreichungen 2005) weitere Kürzungen, die die AFV betreffen. Rund 182.000 Euro müssen eingespart oder von außen erwirtschaftet werden. Ab 2016 soll der Fachdienst kostendeckend arbeiten.

(Foto: Giacinto Carlucci)
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Dr. Lore Peschel-Gutzeit zum Thema „Haben Frauen heute die Rechte, die ihnen zustehen?“

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Video „40 Jahre Frauenbewegung“

„Wir haben unerhörte Erfolge gefeiert.“ Das Fazit zieht die Feministin Alice Schwarzer auf der Tagung zu „40 Jahre Frauenbewegung“ im Mai 2012.
Auf dem Podium tritt unter anderem Jutta Allmendinger, derzeit Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung und Professorin an der Humboldt-Universität Berlin, als flammende Verfechterin der Frauenquote auf. Und es spricht Lore Maria Peschel-Gutzeit, Rechtsanwältin und ehemals Justizsenatorin in Hamburg und Berlin, die unter anderem die Gesetzesvorlage verwirklicht hat, in der festgeschrieben wurde, dass Beamtinnen aus familiären Gründen Teilzeitarbeit leisten können.

(Fotos: Martina Waiblinger)

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Das Kuratorium wählt Jörg Hübner Ende 2012 zum neuen Akademie-Direktor. Im Sommer 2013 tritt er sein Amt an. Mit Blick auf die zukünftige Akademiearbeit formuliert er in seiner Antrittsrede: „Um solch ein Laboratorium gelebter Praxis, um die Akademie als ein Ort, wo der gegenwärtig zu spürende Wandel der Lebensweise durchdacht, ausprobiert und gelebt wird. Wir nennen es ‚Wandel’; in der öffentlichen Diskussion ist hier immer häufiger von einer nötigen ‚Transformation’ die Rede. Dies schließt einen nachhaltigen Lebensstil auf allen Ebenen ein, ein Mehr an Teilhabe aller betroffenen Menschen, aber eben auch eine starke Kultur der Achtsamkeit zwischen den Generationen. Ich meine, wir könnten in der Evangelischen Akademie Bad Boll zu solch einem Ort werden, wo diese – bitte verzeihen Sie mir diese sperrige Wortwahl – Transformation hin zu einer nachhaltigen, demokratischen und generationenübergreifenden Gesellschaft gelebt und ausprobiert wird.“

(Fotos: Giacinto Carlucci)
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Statt mit Öl und Gas wird die Akademie Bad Boll seit 2013 mit Holzpellets geheizt. Im Sommer 2013 beginnt der Bau des Pelletlagers und der zwei Holzpelletkessel mit einem Spatenstich – unter anderem mit dem neuen Direktor Jörg Hübner. Der in Lärchenschindeln gehüllte Bau fasst 80 Tonnen Pellets. Doch er hat es nicht nur in sich, sondern ist auch ein Hingucker, wie er sich mit den abgerundeten Ecken in die Umgebung mit Bäumen einfügt. Das rund zehn Meter hohe Gebäude kann sich sehen lassen – zumal es bereits mehrmals mit dem Preis für Beispielhaftes Bauen der Architektenkammer Baden-Württemberg ausgezeichnet worden ist.

Strom tanken können die Gäste der Akademie direkt vor Ort: Seit Sommer 2015 hat die Akademie eine eigene Stromtankstelle. Gleichzeit ist am Fahrradständer eine Doppelsteckdose für Pedelecs installiert worden. Der Strom kommt direkt aus dem Akademie-Blockheizkraftwerk. Für Gäste ist das Tanken kostenfrei. Für die Akademie-Mitarbeiter steht seit April 2016 ein Elektroauto als Dienstwagen zur Verfügung.

(Fotos: Claudia Mocek; Martina Waiblinger)
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Mit den Bad Boller Wirtschaftsgesprächen ruft die Akademie im Jahr 2013 ein neues Format ins Leben: ein Forum für wirtschaftsethische Grundsatzfragen. Die Reihe von sechs Veranstaltungen bis 2018 findet in Kooperation mit dem baden-württembergischen Wirtschaftsministerium statt.

Ziel ist, grundsätzliche Fragen zur künftigen Gestaltung der Wirtschaft zu diskutieren. Das Thema des ersten Wirtschaftsgesprächs am 28. Juni 2013 ist die Weiterentwicklung der Sozialen Marktwirtschaft. Anlass ist die sogenannte Freiburger Denkschrift, in der vor 70 Jahren im Jahr 1943 erstmals die Grundzüge der Sozialen Marktwirtschaft entwickelt wurden. Der evangelische Pfarrer Dietrich Bonhoeffer hatte im Oktober 1942 im Auftrag der Bekennenden Kirche den Freiburger Kreis gebeten, ein wirtschafts- und sozialpolitisches Konzept für eine Denkschrift zur Neuordnung der Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg zu erarbeiten.

In den weiteren Boller Wirtschaftsgesprächen werden beispielsweise Fragen diskutiert, ob die Soziale Marktwirtschaft ein europäisches Wirtschaftsmodell ist, wie sie im globalen Wettbewerb besteht oder welche innovativen Lösungen sie für die gesellschaftlichen Herausforderungen in der digitalisierten Welt bedarf.

(Fotos: Claudia Mocek)
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„Wir schaffen Foren. Wir stehen für Begegnung und Diskurs. Wir sind Faktor. Wir schätzen Raum und Zeit. Wir arbeiten werteorientiert. Nachhaltigkeit ist unser Markenzeichen und unsere Selbstverpflichtung.“

Dies sind die Leitgedanken der Akademie Bad Boll, nach denen alle Mitarbeitenden handeln.

2014 wird das Leitbild vollkommen neu zusammengestellt und gemeinsam abgestimmt. In einer Mitarbeitenden-Andacht wird es vorgestellt und öffentlich gemacht. Jeder neuer Mitarbeitende lernt das Leitbild seitdem in den ersten Wochen kennen, auf der Homepage wird es präsent gehalten, es bildet die Basis für jede öffentliche Vorstellung der Akademie und ist die Grundlage für Bewerbungsgespräche mit potenziellen Studienleitenden. „Das Leitbild soll verdeutlichen, welch eine Vision und Mission uns als Akademie antreibt“, sagt Direktor Jörg Hübner.

(Foto: Manfred Grohe)
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2015 kommen Hundertausende Flüchtlinge nach Deutschland. Darunter auch Frauen aus allen Teilen der Welt. Sie bringen ihr Wissen, ihre kreativen Ideen, Fähigkeiten und Kenntnisse mit nach Europa. Auf der Tagung „Flüchtlingsfrauen“ im Juli 2017 entdecken sie diese mitgebrachten Schätze gegenseitig.

Seit mehr als 25 Jahren veranstaltet die Akademie Bad Boll Tagungen für Flüchtlingsfrauen. „In Deutschland sind etwa 40 Prozent aller Asylsuchenden und Flüchtlinge weiblich. Sie sind auf der Suche nach Schutz, nach einer neuen Heimat. Es ist wichtig, ihre speziellen Bedürfnisse, aber auch Potenziale zu sehen und anzuerkennen“, sagt Anna Büllesbach, Leiterin der Nürnberger Zweigstelle des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR), im Juli 2015 bei der 25. Tagung der Flüchtlingsfrauen. „Die Ziele der Tagungen für Flüchtlingsfrauen sind Hilfe zur Selbsthilfe, Zugang zu Informationen, die Stärkung von Ressourcen, Begegnung, Erfahrungsaustausch, Partizipation sowie die Einflussnahme auf künftige gesellschaftliche Prozesse“, sagte Birgit Dinzinger, Leiterin der Abteilung Migration und Internationale Diakonie, Landeskirchliche Beauftragte für den Migrationsdienst, Diakonisches Werk Württemberg.

(Quelle: Aktuelle Meldung 24.07.2015)
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Das Konzeptwerk Neue Ökonomie aus Leipzig und der Verein Aktives Helfen Erkenbrechtsweiler-Hochwang sind die Preisträger des ersten Akademiepreises, der im September 2017 verliehen wird. Der Preis ist mit insgesamt 3000 Euro dotiert. Damit würdigt die Akademie Bad Boll innovative Gestaltung einer demokratischen, sozialen und zukunftsfähigen Gesellschaft.

Das Konzeptwerk inspiriert junge Menschen, sich für einen sozialen und ökologischen Wandel einzusetzen. Der Verein Aktives Helfen bietet Hausaufgabenbetreuung, Fahrdienste und Unterstützung beim Einkauf im Dorf Erkenbrechtsweiler/Hochwang an.

(Foto: Giacinto Carlucci)
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Ein Jahr später im September 2018 folgt der zweite Akademiepreis – ebenfalls mit 3000 Euro dotiert. Den erhält das Projekt St. Anna Quartier in Tettnang „Leben und Wohnen in Vielfalt“. Um die Auszeichnung unter dem Motto „Werte leben – Zukunft gestalten“ hatten sich 29 Initiativen und Projekte beworben. Das Projekt St. Anna-Quartier setzt sich für die Jury aus Vertretern der Direktion, des Kuratoriums und des Förderkreises der Evangelischen Akademie am überzeugendsten dafür ein, dass Menschen mit geringem und mittlerem Einkommen bezahlbaren Wohnraum finden.

Mittlerweile sind alle 127 genossenschaftlichen Mietwohnungen rund um die St. Anna Kapelle belegt – heißt es auf der Internetseite des Quartiers. Die Mietpreise liegen bei 50 Prozent der Wohnungen unter dem durchschnittlichen Niveau der Stadt. 30 Prozent sind Sozialwohnungen, 20 Prozent mietpreisreduzierten Wohnungen für Schwellenhaushalte. Zudem gibt es vier Wohngemeinschaften für Menschen mit Handicap sowie einem modifizierten Quartierstreff.

Das Thema Wohnen und soziale Stadtentwicklung greift die Akademie immer wieder in Tagungen auf – zum Beispiel im November 2019 mit der Tagung „Boden – Macht – Stadt“ in Zusammenarbeit mit der IBA 2027 StadtRegion Stuttgart. Dabei werden nachhaltige Stadtentwicklung und die gemeinwohlorientiert Bodenpolitik diskutiert. Wege für eine Umsetzung im Kontext der IBA 2027 StadtRegion Stuttgart werden erörtert. Im Jahr 2027 findet wieder eine Internationale Bauausstellung (IBA) in der Region Stuttgart statt – genau 100 Jahre nachdem die europäische Architekten-Avantgarde in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung ihr damals radikales „Wohnprogramm für den modernen Großstadtmenschen“ vorstellte.

(Foto: Giacinto Carlucci)

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Demokratie ist kein Selbstläufer. Wie Kinder und Jugendliche demokratisches Verhalten und Handeln lernen, was sie brauchen, um Demokratie zu leben? Das versuchen die Teilnehmenden der Tagung „Förderung von Demokratiefähigkeit bei Kindern und Jugendlichen“ vom 13./14. Juni 2018 in Bad Boll zu beantworten.

„Demokratieerziehung in Baden-Württemberg“ von Achim Beule, Abteilung Grundsatz und Digitalisierung, Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg.
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Die Tagung „Krise der Dialogfähigkeit – Shrinking Space im Israel-Palästina-Konflikt“ im September 2018 schlägt Wellen. Der Akademie wird vorgeworfen, der israelfeindlichen und antisemitischen BDS-Bewegung ein Forum zu bieten. „Thema der Tagung ist nicht die BDS-Bewegung, sondern der in Deutschland immer kleiner werdende Freiraum für zivilgesellschaftliche Akteure zu Fragen des Nahost-Konflikts“, stellt die Akademie in einer Presseerklärung klar.

Akademiedirektor Jörg Hübner, der sich ebenso wie die Evangelische Landeskirche in Württemberg von BDS distanziert, führt aus: „Dies ist eben der Auftrag einer Evangelischen Akademie: Sie will den Diskurs, die Begegnung, das Miteinander in aller Unterschiedlichkeit befördern. Unsere Demokratie lebt von solchen Dialogen und nicht von einseitigen ‚Filterblasen’ derer, die untereinander die gleichen Ansichten vertreten und sich darin gegenseitig nur noch bestätigen. Mutig einen solchen Dialog zu fördern, mit Wagnis Themen ansprechen, die Streit hervorrufen – das ist unsere Aufgabe als Akademie.“

(Foto: Martina Waiblinger)
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Lachende Sprachassistenten, Unfälle mit angeblich autonom fahrenden Autos, Kontrollverlust über Nutzerdaten: Sogenannte intelligente Systeme verändern die Welt. Auf der Tagung „Alexa lacht, Uber kracht, Facebook wacht“ im November 2018 stehen die Frage nach der Ethik von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz (KI) und moralische Implikationen ihrer Anwendung im Fokus. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer (AEU) statt. Experten und Praktiker wie der Physiker und Theologe Professor Dr. Jörg Kopecz und Wolfram von Hülsen von Robert Bosch Manufacturing Solutions diskutieren.

Der Ratsvorsitzende der EKD, Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm mit dem humanoiden Roboter Pepper am Rande der Ratssitzung am 26. Januar 2018 in Wuppertal bei der Übergabe des Impulstextes »Die digitale Revolution gestalten – eine evangelische Perspektive«.

(Foto: Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer in Deutschland e.V. (AEU). Photograph: Lukas Kellner)
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Was passiert, wenn Menschen Maschinen konstruieren, die intelligenter sind als sie selbst? Schon heute treffen Maschinen mehr Entscheidungen als wir uns denken können.
Video: www.kirchenfernsehen.de - Evangelisches Medienhaus Stuttgart
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Zahlreiche langjährige Studienleitende sind im Laufe der letzten Jahre verabschiedet worden. Das hat die Akademie genutzt, um neue Themenschwerpunkte zu setzen. Die drei Dialogteams wurden mit jeweils drei Studienleitendenstellen besetzt. Insbesondere das Dialogteam Wirtschaft-Globalisierung-Nachhaltigkeit richtet sich neu aus: Drei Aufgabenbereiche werden nämlich nun abgedeckt – neben dem Bereich „Umwelt, Technologie, Nachhaltigkeit“ treten die Aufgabenfelder „Wirtschaftsethik, Unternehmensverantwortung, Global Governance“ und „Ökonomie und Sozialpolitik“. Im Dialogteam Gesellschaft-Politik-Staat wurden zwei Aufgabenbereiche teilweise oder ganz neu ausgerichtet: „Lebensformen, Diversity, Soziales“ sowie „Stadtentwicklung, Wohnungsbau und Ländliche Räume“.

(Foto: Giacinto Carlucci)
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Mit dem 1. Januar 2019 ist der Eigenbetrieb „Tagungsstätten der Evangelischen Landeskirche in Württemberg“ geschaffen worden. Dazu gehören vier Einzelbetriebe, unter anderem das Tagungszentrum Akademie Bad Boll. Es wurde ein Vorstand aus den vier Geschäftsführerinnen und Geschäftsführern, ein Vorstandsvorsitzender und ein Verwaltungsrat geschaffen.

Die Tagungsstätten der Landeskirche sollen gemäß ihrer Ordnung an erster Stelle den inhaltlichen Einrichtungen vor Ort dienen, verfolgen jedoch zugleich ökonomische Interessen. Denn zukünftig sollen keine Kirchensteuermittel mehr in die Unterhaltung der vier Betriebe fließen.

(Foto: Martina Waiblinger)
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„Vorwärts, ihr faulen Christen! Hinein in die Welt, nicht heraus. ›Hinein‹ – das ist Christus!“ Das war Blumhardts Losung einer politischen Theologie der Hoffnung, die auch heute noch inspirierende Impulse in einer Gesellschaft bieten kann, die sich in einer Klimakrise befindet und von erstarkenden Nationalismen hin- und hergeworfen wird, schreibt Akademiedirektor Jörg Hübner.

(Quelle: SYM 3/2019, S. 19)

Die Akademie feiert 2019 – im Jahr des 100. Todestages von Christoph Blumhardt – den Prediger mit zahlreichen Veranstaltungen. Am 2. August, dem eigentlichen Todestag, wird ihm mit einem Festakt auf dem Friedhof gedacht. Akademiedirektor Hübner unterstreicht in einem Beitrag die Aktualität im Denken des Predigers, Politikers und Pazifisten aus Bad Boll.
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Rudi Dutschke (Foto: Kulessa)

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„Die bürgerliche kapitalistische Gesellschaft hat gerade ihre Stärke darin, dass jede Gruppe diskutieren darf.“
Rudi Dutschke, Wortführer der Studenten 1968, gestikulierend

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Ernst Bloch

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„Wie beurteilen Sie als Mann der Unruhe, als unruhiger Geist das, was im Augenblick innerhalb unserer Studentenschaft geschieht?“

„Ja, eine große Frage, die einen Überfall in sich enthält. .... wofür und zu wessen Durchführung man kämpft... dann hat man es als unzureichend betrachtet.“

Ernst Bloch, linker Philosoph aus Tübingen

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Gerd Poppe (links) von der Initiative für Frieden und Menschenrechte in der DDR, und Bundesverfassungsrichter Helmut Simon auf der Tagung „Markierungen auf dem Weg zu einer gesamtdeutschen Verfassung“, 29.06. bis 01.07.1990.

(Foto: Uwe Walter)
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Hans Modrow (links), Mitglied der PDS-Fraktion der Volkskammer der DDR, und der ehemalige Bundesminister Erhard Eppler (SPD) auf der Tagung „Markierungen auf dem Weg zu einer gesamtdeutschen Verfassung“, 29.06. bis 01.07.1990.

(Foto: Uwe Walter)
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Wolfgang Schäuble (links), damaliger Bundesinnenminister, und Richard Schröder, Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Volkskammer der DDR, auf der Tagung „Markierungen auf dem Weg zu einer gesamtdeutschen Verfassung“, 29.06. bis 01.07.1990.

(Foto: Uwe Walter)
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Quelle: www.kirchenfernsehen.de / Evangelisches Medienhaus Stuttgart
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  • Dr. Otto Fischer von der Robert Bosch GmbH
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  • Fr. Goedecke-Meyer, ehemalige Leiterin der Deutschen Meisterschule für Mode in München
  • Elfriede Götz, Bad Boll
  • Fr. Stoelzel, Bad Boll
(Foto: Pressestelle Ev. Akademie)
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Kapitel 2 1951 bis 1966 - Westintegration und Wehrbeitrag: Die Akademie im Zentrum der Deutschlandpolitik

Westintegration und Wehrbeitrag

Umzug in die Villa Vopelius

Politiker gehen ein und aus

Zum Westen orientiert

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